{"id":977,"date":"2012-05-14T14:37:28","date_gmt":"2012-05-14T14:37:28","guid":{"rendered":"http:\/\/mormonengeschichte-de.de.elds.org\/?p=977"},"modified":"2014-04-18T05:39:41","modified_gmt":"2014-04-18T05:39:41","slug":"sonja-bellersen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.elds.org\/mormonengeschichte-de\/977\/sonja-bellersen","title":{"rendered":"Sonja Bellersen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Breslau, Schlesien<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/de.elds.org\/mormonengeschichte-de\/files\/2012\/05\/Sonja-Bellersen1.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1021\" title=\"Sonja-Bellersen\" alt=\"Mormon Deutsch Sonja Bellersen\" src=\"http:\/\/de.elds.org\/mormonengeschichte-de\/files\/2012\/05\/Sonja-Bellersen1-210x300.jpg\" width=\"210\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/de.elds.org\/mormonengeschichte-de\/files\/2012\/05\/Sonja-Bellersen1-210x300.jpg 210w, https:\/\/de.elds.org\/mormonengeschichte-de\/files\/2012\/05\/Sonja-Bellersen1.jpg 310w\" sizes=\"(max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><\/a>Mein Name ist Sonja Bellersen,<\/strong> geborene Glaubitz. Ich bin am 9. Juni 1930 in Breslau, Schlesien, geboren worden. Mein Vater hei\u00dft Bruno Glaubitz, meine Mutter Margarete Janitschke. Mein Vater war kein Mitglied. Seine Eltern waren katholisch, hatten sich aber von der katholischen Kirche abgewandt, weil sie mit der Lehre und dem Pfaffentum nicht einverstanden waren und von Letzterem unangenehm ber\u00fchrt waren. Mein Vater war \u201efreireligi\u00f6s\u201c und sehr gottesf\u00fcrchtig. Obwohl er so gl\u00e4ubig war, hat er das Evangelium nicht angenommen. Das war wohl auch ein Vers\u00e4umnis meiner Mutter, die durch die Heirat ziemlich inaktiv geworden war. Doch hat sie sehr darauf geachtet, dass meine Schwester und ich jeden Sonntag mit unseren Gro\u00dfeltern, die direkt nebenan wohnten, zur Kirche gingen.<\/p>\n<p>Ich kann mich noch schwach erinnern, dass Heber J. Grant unsere Gemeinde besuchte und an amerikanische Missionare, die oft von meiner Gro\u00dfmutter, sie war 15 Jahre FHV-Pr\u00e4sidentin, zum Essen eingeladen wurden. Sie trugen Trenchcoats und H\u00fcte und ich fand sie sehr interessant. Bevor der Zweiten Weltkrieg ausbrach und noch niemand von der Bev\u00f6lkerung an Krieg dachte, wurden die Missionare aus Deutschland abgezogen. In der PV war es f\u00fcr unsere Lehrerin oft nicht leicht, das Thema zu geben. Die Jungen hatten viel Unsinn im Kopf und st\u00f6rten dadurch den Unterricht. Manchmal fiel die PV aus, weil die Lehrerin krank war. So konnte ich neben meiner Gro\u00dfmutter an der Sonntagsschule teilnehmen, was ich viel interessanter als die PV fand.<!--more--><\/p>\n<p>Der Krieg brach aus und unsere Br\u00fcder wurden zum Milit\u00e4r eingezogen. Es waren nur noch die \u00e4lteren und kranken Br\u00fcder in der Gemeinde. Ich hatte nun das Alter erreicht, um getauft zu werden und unser Gemeindepr\u00e4sident, Bruder Neugebauer, sprach mich oft an, ob ich mich nicht taufen lassen m\u00f6chte. Aber ich hatte die Notwendigkeit der Taufe noch nicht verstanden. Am 8. Mai 1942 hatte Bruder Becker Fronturlaub und da ich ihn gern mochte und das Evangelium schon besser verstand, willigte ich in die Taufe ein. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Ich stand mit meiner Schwester Christa, sie war 8 Jahre alt, im wei\u00dfen, langen Nachthemd am Ufer der Oder. Die Sonne war gerade untergegangen und es war kalt. Eine kleine Gruppe von Mitgliedern stand etwas abseits, darunter auch meine Gro\u00dfeltern und meine Mutter. Bruder Becker ging zuerst in das Wasser, um eine g\u00fcnstige Stelle f\u00fcr die Taufe zu finden. Dann kam er mir entgegen und holte mich in das bitterkalte Wasser, bis ich fast bis zum Hals darin stand. F\u00fcr einen Augenblick dachte ich, du holst dir bestimmt eine Lungenentz\u00fcndung, zumal wir anschlie\u00dfend noch lange mit der Stra\u00dfenbahn nach Hause fahren mussten. Meine Z\u00e4hne schlugen aufeinander und ich sagte zu Bruder Becker: \u201eHuch, ist das kalt!\u201c Er dr\u00fcckte meine H\u00e4nde und l\u00e4chelte mir aufmunternd zu. Also, ich bekam keine Lungenentz\u00fcndung, noch nicht einmal einen Schnupfen. Das war f\u00fcr mich ein Wunder und hat meinen Glauben wieder etwas mehr gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Der Ursprung der Mitgliedschaft unserer Familie geht auf das Jahr 1922 zur\u00fcck. Die Cousine meiner Gro\u00dfmutter, Anna \u00dcbersch\u00e4r, war Hebamme und war von ihrer Tochter, einer Frauen\u00e4rztin, die nach Amerika ausgewandert war und einen amerikanischen Arzt geheiratet hatte, der Mormone war, gebeten worden, zu ihr nach Amerika zu kommen. Also wanderte Anna \u00dcbersch\u00e4r nach Amerika aus, machte ihr Examen noch mal in Englisch, lernte die Kirche kennen und hatte den Wunsch, sich taufen zu lassen. Aber das wollte sie unbedingt in ihrer Heimat und in der Oder an sich vollziehen lassen. So kam sie 1922 in Breslau an und erz\u00e4hlte meiner Gro\u00dfmutter, dass sie die einzig wahre Kirche kennengelernt hatte und sich nun in ihrer Heimat taufen lassen wollte. Meine Gro\u00dfmutter war im evangelischen Glauben erzogen worden. Ihr Onkel war Pastor und sie war von ihrer Kirche \u00fcberzeugt. Sie war von dem Vorhaben ihrer Cousine entsetzt und schlug die H\u00e4nde \u00fcber ihren Kopf zusammen: \u201eAnna, du kannst doch unserer Kirche nicht untreu werden!\u201c<\/p>\n<p>Damals hatten wir schon eine Gemeinde in Breslau und Anna \u00fcberredete meine Gro\u00dfeltern (Gro\u00dfvater war katholisch, aber nur dem Namen nach) und deren Kinder Else, Frieda, Margarete (Gretel), Paul und Georg, mit ihr in die Kirche zu gehen, damit sie einen Eindruck davon bekommen sollten. Meine Gro\u00dfmutter war begeistert von den Liedern und meine Mutter, 17 Jahre alt, wie es auch heute bei den meisten jungen Damen ist, von den amerikanischen Missionaren. In Schlesien waren die Winter sehr kalt, als Anna \u00dcbersch\u00e4r, fest entschlossen, sich taufen lie\u00df. Das Eis musste aufgehackt werden, bevor sie und der T\u00e4ufer ins Wasser stiegen. Meine Familie war von solch einem tiefen Glauben \u00fcberw\u00e4ltigt. Die Cousine fuhr wieder nach Amerika und meine Gro\u00dfeltern mit ihren Kindern Paul, Georg und Margarete (meiner Mutter) untersuchten das Evangelium. 1923 lie\u00df als Erste sich meine Mutter Margarete taufen und ein halbes Jahr sp\u00e4ter, am 2. Februar 1924, meine Gro\u00dfeltern und ihre S\u00f6hne Paul und Georg. Ich wei\u00df nicht, ob sie auch in der Oder getauft wurden oder ob es schon die M\u00f6glichkeit gab, im Hallenbad sich taufen zu lassen. Die T\u00f6chter Else und Frieda schlossen sich nicht der Kirche an. Es war schon merkw\u00fcrdig, als meine Tante Frieda, schon eine verheiratete Frau, wenn sie krank war, zu ihrem Vater ging, und um einen Teel\u00f6ffel gesegnetes \u00d6l bat, um es einzunehmen.<\/p>\n<p>Meine Mutter hatte eine sehr sch\u00f6ne Stimme und sang begeistert im Distriktchor mit. Es ist traurig, dass sie im Evangelium durch die Heirat schwach geworden war. Obwohl ich unendlich dankbar f\u00fcr meinen wundervollen Vater bin, f\u00fcr den das Werk stellvertretend im Schweizer Tempel getan worden ist, wo meine Mutter sich auch an ihn siegeln lie\u00df und ich mich an meine Eltern.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in das Jahr 1929. Die Arbeitslosigkeit hatte bedr\u00fcckende Ausma\u00dfe angenommen. Viele wanderten nach Amerika aus. Auch meine Eltern, jung verheiratet, bem\u00fchten sich um ein Visum und lernten eifrig englisch. Die Kosten f\u00fcr die \u00dcberfahrt hatten sie sich schon erspart. Da sollte ein Familienvater aus Onkel Pauls Firma entlassen werden. Paul hatte Mitleid und bat um seine Entlassung anstelle des Familienvaters. Er bem\u00fchte sich um einen neuen Arbeitsplatz, bekam aber keinen. Au\u00dferdem war er verlobt und wollte heiraten. So beschloss er, nach Amerika auszuwandern. Erstmals ohne seine Verlobte, aber ihm fehlte das Geld zur \u00dcberfahrt. Mein Vater hatte zu der Zeit noch Arbeit und so bot er seinem Schwager Paul an, ihm das Geld f\u00fcr die \u00dcberfahrt zu leihen, was dieser mit Dankbarkeit und gro\u00dfer Freude annahm. Seine Verlobte folgte ihm ein Jahr sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Es war das Jahr 1930. Die Nazis fanden immer mehr Zulauf durch die Versprechungen, die sie dem Volk machten. Vati wurde arbeitslos und meine Gro\u00dfeltern m\u00fctterlicherseits traten von ihrer Wohnung an uns zwei Zimmer ab. Meine Gro\u00dfeltern v\u00e4terlicherseits waren Sozialdemokraten. Gro\u00dfvater gr\u00fcndete, bevor mein Vater geboren wurde, das war 1905, mit einigen M\u00e4nnern in Breslau die AOK (Allgemeine Ortskrankenkasse). Man wollte ihn in den Vorstand w\u00e4hlen, aber er lehnte entschieden ab, er sei Handwerker und kein B\u00fcrokrat. Meine Eltern, ebenso \u00fcberzeugte Sozialdemokraten, waren \u00e4u\u00dferst beunruhigt wegen des \u201eBraunen Mobs\u201c. Mutti verteilte heimlich Flugbl\u00e4tter gegen die Nazis, die sie unter der Kinderwagenmatratze versteckt hielt, worauf ich lag. Ich bin heute noch stolz darauf, unbewusst am Widerstand beteiligt gewesen zu sein.<\/p>\n<p>Meine anderen Gro\u00dfeltern, Augustin Janitschke und seine Frau Johanna, geborene Torke, waren Preu\u00dfen (ehrlich, treu, flei\u00dfig usw.), besonders meine Gro\u00dfmutter. Sie war, bevor sie heiratete, am kaiserlichen Hof in Berlin als K\u00f6chin t\u00e4tig. Die Aussteuer und das Brautkleid bekam sie von der Kaiserin geschenkt. Vati bekam endlich wieder Arbeit. Meine Schwester Christa wurde am 28. August 1933 geboren und wir zogen in eine kleine Wohnung in der N\u00e4he von Vatis neuem Arbeitsplatz. Die Nazis hatten nun endg\u00fcltig die Macht \u00fcbernommen. Es schien sich vieles zum Besseren zu wenden. Die Arbeitslosigkeit nahm zusehends ab. Wohnungen wurden f\u00fcr kinderreiche Familien gebaut. Hell und kinderfreundlich. Aber mein Vater lie\u00df sich nicht t\u00e4uschen. Georg, der j\u00fcngste Bruder meiner Mutter, lie\u00df sich als Lehrling dazu verleiten, an die Toilettent\u00fcr \u201eHitler verrecke!\u201c zu schreiben. Er wurde verraten und verhaftet. Mein Gro\u00dfvater wurde vorgeladen und versuchte, es als dummen, dazu verleiteten Jungenstreich darzustellen. Und um dem noch mehr Gewicht beizumessen, trat er in die Partei ein.<\/p>\n<p>Schorschi, wie wir sp\u00e4ter ihn als seine Nichten nannten, blieb ein Rebell, auch sp\u00e4ter beim Milit\u00e4r. Er war ein Gerechtigkeitsfanatiker, aber ein sehr liebenswerter, gutherziger Mensch. Eines Tages, es war im Jahr 1936, rief der Chef meines Vaters ihn zu sich ins B\u00fcro. Sie waren allein. Mit leiser, aber eindringlicher Stimme sagte er: \u201eHerr Glaubitz, sie werden beobachtet. Ich gebe ihnen einen guten Rat: bewerben sie sich schnellstens beim Milit\u00e4r, und zwar bei der \u201eK\u00fcrassier-Kaserne\u201c. Und die lag unweit der Wohnung der Gro\u00dfeltern. Vati hatte Gl\u00fcck. Er wurde angenommen und verdiente bedeutend mehr als zuvor. Ich erinnere mich noch sehr gut an Major Euler und Hauptmann von Holzhausen. Letzterer, ein schon etwas \u00e4lterer, wei\u00dfhaariger Herr, lie\u00df mich auf seinem Pferd reiten. Es war wirklich so, Vati war sicher! Eine Wohnung wurde neben meinen Gro\u00dfeltern frei und ich wurde in der Yorg-Schule, einer M\u00e4dchenschule, eingeschult. Es war der Beginn einer sehr gl\u00fccklichen Jugend. 1938 kam ich aus der Schule. Vati war, wie jeden Mittag, zum Essen aus der Kaserne gekommen, aber er war nicht in Zivil, sondern trug eine Uniform und das Mittagessen hatte er im Henkelmann mitgebracht. Es gab Sauerkraut! Ich hatte ein unbehagliches Gef\u00fchl. Es war ein warmer, diesiger Tag. Es sah nicht nach Regen aus. Die Sonne versuchte durch den Nebel zu dringen. Aus den Ritzen der Pflastersteine krabbelten fliegende Ameisen und schwirrten in die Luft.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, wenn ich mich daran erinnerte, war es wie ein b\u00f6ses Omen. Vati kam nun nicht mehr mittags nach Hause, auch am Abend nicht. Er war mit seiner Kompanie zur Befreiung des Sudetenlandes abkommandiert worden. Im Allgemeinen wurde die sogenannte Befreiung als gerecht empfunden, waren sie doch 1918 den Deutschen nach dem verlorenen 1. Weltkrieg weggenommen worden. Es wurde kein Krieg daraus, aber Vati kam nicht nach Haus, er und seine Truppe blieben im Sudetenland. Am 9. November 1938 wollten Mutti und ich in die Stadt zum Kaufhaus Wertheim. SA-Leute standen vor H\u00e4usern und eingeschlagenen Scheiben von Gesch\u00e4ften, die mit dem Judenstern und \u201eJude\u201c beschmiert waren. Wir sahen, wie Juden aus der brennenden Synagoge auf Lastwagen geschleppt wurden. Die Leute standen stumm und starr da, keiner wagte einzugreifen. Mutti zog mich an der Hand: \u201eKomm schnell weg hier!\u201c Immer heftigere Propaganda wurde gegen die Juden verbreitet. Doch ich h\u00f6rte von meinen Eltern nur Positives \u00fcber sie. Aber andere Leute wussten zu berichten, dass Juden von Christen das Blut trinken. Und als ich an einem warmen Tag im Hof unseres Hauses bei meinem Gro\u00dfvater stand, der sich mit Frau Gr\u00e4tzer, einer alten, sehr freundlichen, feinen J\u00fcdin, die sich \u00fcber den Balkon lehnte, unterhielt, bat ich Opa um 10 Pfennig oder wie wir sagten um einen Groschen oder B\u00f6hm, um mir Brause zu kaufen. Da verschwand Frau Gr\u00e4tzer in der Wohnung und kam mit einem Glas dunkelrotem Saft auf den Balkon und reichte ihn mir mit den Worten: \u201eHier Sonni, den hab ich selbst gemacht.\u201c Ich dachte an Christenblut und sagte: \u201eDanke, ich habe keinen Durst mehr!\u201c Ich sehe noch heute ihre betroffenen Augen und ich w\u00fcnschte, ich k\u00f6nnte sie umarmen und um Verzeihung bitten.<\/p>\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter war sie nicht mehr in ihrer Wohnung und andere gew\u00f6hnliche Leute zogen ein. Die Judenverfolgung nahm zu. Ger\u00fcchte \u00fcber Konzentrationslager wurden hinter vorgehaltener Hand bekannt. Da kam eine Roselotte Katzer, die vor kurzem zugezogen war, nicht mehr in die Schule. Da war eine Alida Franke, von uns M\u00e4dchen wegen ihrer Sch\u00f6nheit, aber auch Freundlichkeit und Bescheidenheit bewundert und sehr beliebt. Die Eltern hatten ein Kaufhaus am Ring. Wir M\u00e4dchen kannten ihre h\u00fcbsche Mutter und ihren kleinen Bruder. Eines Morgens trat Fr\u00e4ulein Hornig, unsere Klassenlehrerin, nachdem sie uns wie \u00fcblich mit \u201eGuten Morgen, M\u00e4dchen. Bitte setzen!\u201c, begr\u00fc\u00dft hatte, ein. \u00dcbrigens wurde in unserer Schule nicht mit \u201eHeil Hitler\u201c gegr\u00fc\u00dft, es waren auch Lehrer und Lehrerinnen, die teils schon unsere M\u00fctter unterrichtet hatten und es wohl als unfein empfunden mit \u201eHeil Hitler\u201c zu gr\u00fc\u00dfen, noch dazu M\u00e4dchen. Auch hatten wir einen Musiklehrer, Carl Brauner, ein Kammers\u00e4nger. Er war im 1. Weltkrieg verwundet und hatte ein steifes Bein zur\u00fcckbehalten. Von ihm lernten wir die alten Meister kennen, aber nicht ein einziges Nazi-Lied. Wie die Lehrerschaft es fertig gebracht hat, ist f\u00fcr mich heute noch ein Wunder.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu unserem Fr\u00e4ulein Hornig. Wir sp\u00fcrten, dass es ihr schwer fiel, zu sprechen: \u201eMeine lieben M\u00e4dchen, ich muss euch mitteilen, Frankes sind weggezogen.\u201c Wir sahen uns an und leise sagten wir zueinander: \u201eHoffentlich haben sie es geschafft!\u201c Wenn wir Kinder mit 8 oder 9 Jahren wussten, wohin die Juden verschleppt wurden, ist es eine L\u00fcge von den Erwachsenen zu behaupten, sie h\u00e4tten davon nichts gewusst.<\/p>\n<p>1972 habe ich von einem alten Freund der Familie Franke erfahren, dass sie alle im KZ ermordet wurden. Am 1. September 1939 brach der 2. Weltkrieg aus. Zuerst Polen, dann Frankreich, Afrika, England, Russland und Amerika. W\u00e4hrenddessen ging die Judenverfolgung weiter. Eines Morgens wachte ich mit einem zugeschwollenen Auge auf. Mich musste etwas gestochen haben. \u201eBevor du zur Schule gehst, besuchen wir Frau Dr. Engel (unsere Kinder\u00e4rztin) in ihrer Praxis.\u201c Sie war mit Professor Sammelsen, einem Juden, verheiratet. Sie hatte ihren M\u00e4dchennamen aus Sicherheitsgr\u00fcnden angenommen. Ihr Mann durfte nicht mehr praktizieren. Manchmal kam er doch heimlich zum Hausbesuch, wenn es dringend und seine Frau unabk\u00f6mmlich war. Er war schon ein \u00e4lterer Herr. Typisch Professor, wei\u00dfes, lockiges Haar, von gro\u00dfer, etwas gebeugter Gestalt. An diesem besagten Morgen war unsere Frau Dr. Engel noch unterwegs zu einem Krankenbesuch und Mutti und ich warteten im Wartezimmer auf sie. Es dauerte nicht lange. Die T\u00fcr ging auf und Frau Dr. Engel kam in Trauerkleidung, ihr Gesicht von einem schwarzen Witwenschleier bedeckt, in das Zimmer. Mutti sprang erschrocken auf, lief mit ausgebreiteten Armen auf sie zu: \u201eFrau Doktor, was ist passiert?\u201c Weinend sank sie in Muttis Arme: \u201eMein Mann ist tot!\u201c Und dann erz\u00e4hlte sie, was passiert war.<\/p>\n<p>Sie begann aus ihrer Jugend zu erz\u00e4hlen. Sie wuchs in Kairo auf. Im Nachbarhaus wohnte eine Familie Hess, deren Sohn Rudolf der sp\u00e4tere Stellvertreter Hitlers war. Als es mit der Judenverfolgung begann, wandte sie sich bittend an ihren ehemaligen Spielfreund, aber vergeblich. Es l\u00e4utete an der Haust\u00fcr und zwei Gestapoleute standen vor der T\u00fcr, um ihren Mann abzuholen. Er bat, sich etwas zum Ankleiden im Schlafzimmer holen zu d\u00fcrfen und hat sich vergiftet. In mir wuchs der Hass gegen die Bonzen, die stiernackig in ihren braunen Uniformen durch das eben zusammengefegte auf dem B\u00fcrgersteig stolzierten. Frau Kl\u00e4sch, unsere Hausmeisterin, warf ihnen immer giftige Blicke hinterher. Wir sagten aber nicht B\u00fcrgersteig, sondern Trottoir, auch nicht Flur, sondern Entree, auch nicht Vetter, sondern Cousin und nicht Base, sondern Cousine. Es sollte alles ins Deutsche umgesetzt werden, aber das war schon schwierig, au\u00dferdem klang es nicht so vornehm. So ein Brauner war auch mein sp\u00e4ter angeheirateter Onkel. Franz Tiegel, ein Ortsgruppenleiter. Ein stiller Held, der sein Leben riskierte, wie ich sp\u00e4ter bei einem heimlich belauschten Gespr\u00e4ch zwischen Mutti und ihrer Schwester Frieda mitbekam. Onkel Franz glaubte, die Handschrift des H\u00e4userwarts zu erkennen. Der Onkel war nicht unbedingt ein Freund der Juden, wusste aber, was mit ihnen passierte und konnte es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren sie auszuliefern. So schrieb er mit der Schreibmaschine: \u201eSie sind denunziert worden!\u201c Ging nachts an deren T\u00fcr, klingelte oder klopfte bis er Ger\u00e4usche bemerkte und warf den Zettel in den Briefschlitz, in der Hoffnung, sie w\u00fcrden rechtzeitig fliehen und irgendwo Unterschlupf finden \u2013 Juden, die glaubten noch nicht entdeckt worden zu sein, wurden anonym denunziert.<\/p>\n<p>Der Krieg nahm an Heftigkeit zu. Immer mehr ausgebombte Frauen, Kinder und alte Leute wurden bei Familien einquartiert. Sie kamen haupts\u00e4chlich aus dem Ruhrgebiet. In Schlesien waren Luftangriffe, die gro\u00dfen Schaden anrichteten, noch selten. Wir \u00fcbten flei\u00dfig, was wir zu tun h\u00e4tten bei einem Luftangriff. So wurde ich mit 12 Jahren Feuermelder, bekam einen Helm, eine Gasmaske und eine wei\u00dfe Binde um den Arm. Wir lernten, dass man Stabbomben, die wie Fackeln vom Himmel fielen und mit Phosphor getr\u00e4nkt waren, mit dem noch nicht brennenden Stab dort anzufassen und aus dem Fenster zu werfen. In der Schule standen Wassereimer, die einmal beim Herumtollen im Treppenhaus aus Versehen der Lehrerin, die gerade die Treppe hochkam, \u00fcber deren Kopf entleert wurde. Und dann wurde es ernst. Vatis letzter Urlaub \u2013 November 1942.<\/p>\n<p>Wir hatten 14 Tage in Ober-Schreiberhau im Riesengebirge Urlaub gemacht und hatten, zu Hause angekommen, mit unseren Verwandten gem\u00fctlich von Vati Abschied genommen, bevor er nach Stalingrad in den Kessel flog. Dazu sp\u00e4ter. Wir hatten die Verdunkelung vor den Fenstern, als wir das Licht gel\u00f6scht hatten, wieder aufgezogen. Es muss so um Mitternacht gewesen sein, als pl\u00f6tzlich die Sirenen uns aus dem Schlaf rissen. Die Fenster waren nun nicht verdunkelt, Licht durfte nicht angemacht werden wegen der feindlichen Flieger. Ich dachte nicht an Helm, Gasmaske usw., zog meinen Morgenmantel \u00fcber, fand den G\u00fcrtel nicht, rannte im Dunkeln ins Wohnzimmer, weil ich meinte, ihn dort liegengelassen zu haben und griff aber anstelle dessen den Binder von Vatis Oberhemd, der \u00fcber dem Stuhl hing, und band ihn um. Aufgeregt und v\u00f6llig durcheinander rannten wir durch die Wohnung. Da fiel meiner kleinen Schwester Christa ein: \u201eMutti, lass uns den Hasenbraten, der noch auf dem Herd stand, mit in den Keller nehmen. Wir wissen nicht, ob eine Bombe einschl\u00e4gt!\u201c Ich half noch einer Mutter mit ihren beiden Kindern, die eine Etage unter uns wohnte und deren J\u00fcngstes noch im Kinderwagen lag, in den Keller zu gelangen, wo unsere ganze Hausgemeinschaft \u00e4ngstlich zusammengedr\u00e4ngt und frierend auf die Entwarnung hoffte.<\/p>\n<p>Eine Bombe war in der Altstadt gefallen und hatte einen gro\u00dfen Trichter in das Pflaster gerissen. Die Luftangriffe h\u00e4uften sich. Im Januar 1943 kam die Sondermeldung \u00fcber das Radio: \u201eStalingrad ist gefallen!\u201c Ich h\u00f6rte die Nachricht im Wartesaal der 1. Klasse auf dem Hauptbahnhof, als ich meine Tante Elli, die als Kellnerin arbeitete, besuchte. Die Offiziere an dem Tisch, wo ich sa\u00df, standen auf und salutierten. Meine Tante kam zu mir, Tr\u00e4nen in den Augen und sagte zu den Offizieren: \u201eDer Vater meiner Nichte ist in Stalingrad!\u201c Die M\u00e4nner sahen mich voller Mitleid an. In mir war alles so merkw\u00fcrdig still. Erst nach und nach begriff ich es. Dann kam auch ein Einschreiben. Vati wurde als vermisst gemeldet, davor aber Vatis letzter Brief, der f\u00fcr mich ein Verm\u00e4chtnis seiner gro\u00dfen Liebe zu uns ist. Ich m\u00f6chte aber noch davon berichten, was ich gef\u00fchlt habe, als Vati sich von mir verabschiedet hat. Er nahm mich in den Arm, k\u00fcsste mich und sagte: \u201ePass gut auf Mutti auf!\u201c Mutti begleitete Vati. Als sie sie Stra\u00dfe \u00fcberquerten, um zur Stra\u00dfenbahn zu gehen, stand ich am Fenster \u2013 es waren Doppelfenster, denn die Winter in Schlesien waren eisig kalt. Ich hatte die erste H\u00e4lfte der Fensterfl\u00fcgel ge\u00f6ffnet und hauchte das Eis an der Scheibe an, bis ich durch ein aufgetautes Loch Vati erblicken konnte, wobei meine Tr\u00e4nen in Str\u00f6men flossen. Noch nie war mir der Abschied so schwer gefallen. Mutti war sehr tapfer, aber das Essen fiel ihr schwer. Sie hatte einen Klo\u00df im Hals stecken. Ihre Mutter sagte zu ihr: \u201eGretel, wie kannst du das ertragen?\u201c Mutti antwortete ihr: \u201eMama, ich muss jetzt f\u00fcr meine Kinder da sein!\u201c<\/p>\n<p>Die Front kam immer n\u00e4her. Die Nahrung war schon lange rationiert worden. Es gab Essenmarken, aber wir brauchten noch nicht hungern. Bei Wertheim, das jetzt Awag hie\u00df, war eine Tauschzentrale eingerichtet worden. Man konnte dort Kleidung abgeben und bekam, je nach Wert, Punkte daf\u00fcr. So konnte man z. B. f\u00fcr vier Kleider oder M\u00e4ntel Anz\u00fcge usw., einen Pelzmantel oder ein Abendkleid eintauschen. Mutti, die eine Schw\u00e4che f\u00fcr alles Sch\u00f6ne hatte, erwarb f\u00fcr mich, wenn ich eine junge Dame werden sollte, einen Traum von einem Ballkleid und das zu dieser Zeit! Beide Gro\u00dfeltern versorgten uns zus\u00e4tzlich mit Nahrung. Vatis Eltern hatten ein Haus in Stabelwitz, etwas au\u00dferhalb der Stadt mit zwei Morgen Grundst\u00fcck. Sie hielten zwei Ziegen, H\u00fchner und Kaninchen. Muttis Eltern hatten einen Schrebergarten. Kirschen, Birnen, \u00c4pfel, Pfirsiche, Aprikosen, Erdbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Pflaumen und alles Gem\u00fcse, was man sich vorstellen kann. Wir wurden also gut versorgt. Nur S\u00fcdfr\u00fcchte fielen aus und nat\u00fcrlich Schokolade und Kekse, Sahne usw.<\/p>\n<p>Einmal, es war aber schon vor 1942, fuhr Mutti mit uns nach Kreiwitz, dem Geburtsort ihres Vaters. Unter den Verwandten gab es auch Bauern. Vati hatte Mutti immer seine Ration von Zigaretten geschickt, um sie f\u00fcr wichtige Dinge einzutauschen. So fuhren wir mit den Zigaretten im Koffer zu den Verwandten. Ich hab noch nie so viele Eier auf einmal gesehen, ja, und Butter, und ich wei\u00df nicht mehr, was noch. Nun war aber \u201eHamstern\u201c streng verboten und das Gep\u00e4ck wurde, wenn es irgendwie auff\u00e4llig war, vom Bahnvorsteher gepr\u00fcft. Onkel Paul, der Bruder von Opa, gab Mutti den Rat: \u201eGretel, wenn dich der Bahnvorsteher anspricht, sag nur einen sch\u00f6nen Gru\u00df vom Janitschke Paul!\u201c Und es hat wunderbar funktioniert.<\/p>\n<p>Ende 1943 wurden in unserer Schule die wei\u00dfrussischen Truppen unter General Wlassow untergebracht. Unsere Klasse wurde daraufhin nach Brandenburg verlegt. Mutti sagte: \u201eDie Russen stehen vor der T\u00fcr. Wir bleiben zusammen und gehen ins Glatzer Gebirge, wo wir schon mal Urlaub gemacht haben.\u201c Das war auch gut so, denn wie ich sp\u00e4ter erfahren habe, sind einige M\u00e4dchen von den Russen vergewaltigt und nach Russland verschleppt worden. Nun war der Ort, wo wir hingingen, hoch droben auf der Alm. Acht kleine Bauernh\u00e4user oder vielmehr drei Bauern. Die anderen geh\u00f6rten Waldarbeitern, die sich noch zwei K\u00fche, H\u00fchner und ein Schwein hielten und nebenbei ein Zimmer f\u00fcr Ferieng\u00e4ste vermieteten. Dann waren da noch eine Baude, eine F\u00f6rsterei und eine Schule mit nur einem Klassenraum, von der 1. bis zur 8. Klasse und von einem Lehrer unterrichtet wurde. Man muss sich vorstellen, aus dieser Schule schafften es Sch\u00fcler nach Glatz auf das Gymnasium zu gehen. Allerdings mussten sie die M\u00f6glichkeit haben, bei Verwandten unterzukommen. Es gab kein Gesch\u00e4ft, man musste ca. acht Kilometer ins Tal laufen. Dort lernte ich auch Skilaufen, oft zur Erheiterung der Dorfjugend. Das Leben war einfach. Einfacher ging es nicht. Aber es war wunderbar. Am Ende des Dorfes bewohnte eine Familie aus Breslau ihre Skih\u00fctte. Das hei\u00dft, die Familie bestand aus Mutter, Sohn Karl-Heinz in meinem Alter, aber schon fast 1,80 Meter gro\u00df und stark, Tochter B\u00e4rbel und dem kleinen Lindchen. Sie hatten aus Breslau ihr Klavier mitgebracht und jeden Abend sa\u00dfen wir mit unseren M\u00fcttern gem\u00fctlich beieinander, spielten und sangen. Lindchen sang mit ihren 3\u00bd Jahren: \u201eHarre meine Seele\u201c. Dazu kam noch ein Junge, der etwas \u00e4lter war als ich. Seine Mutter hatte ihn bei der B\u00e4uerin untergebracht. Man kann auch sagen versteckt, denn sein Vater war Jude und nach Amerika emigriert. Das Einzige, was er von ihm als Andenken noch hatte war ein Fagott. Herbert, so hie\u00df der junge Mann, schloss sich nun eng an uns an, denn au\u00dfer Arbeit auf dem Hof, was auch verst\u00e4ndlich war, denn die B\u00e4uerin war mit ihren 3 Kindern allein, gab es nicht Kulturelles.<\/p>\n<p>In 1945 wurde Breslau zur Festung erkl\u00e4rt. Die Eltern von Mutti verlassen mit dem letzten Zug in einem Viehwaggon Breslau nach Habelschwerdt. Es ist Januar und eisig kalt. Die Nachricht von ihrer Ankunft erhalten wir telefonisch aus der F\u00f6rsterei. Ich organisiere mit meinem besten und treuesten Freund Karl-Heinz im n\u00e4chsten Ort einen Pferdeschlitten, mit dem wir meine Gro\u00dfeltern aus Habelschwerdt abholen. Oma wird in warme Decken geh\u00fcllt. Es ist ein Wunder, dass sie die Strapaze gesund \u00fcberstanden hat. Wir haben f\u00fcr sie erstmals eine Bleibe im Nachbarhaus besorgt. Deutsche Soldaten versuchen vor den Russen zu fliehen. Russische Flugzeuge flogen \u00fcber unser Dorf. Einmal bin ich auf dem Weg zur F\u00f6rsterei, da fliegt ein russisches Flugzeug \u00fcber mich hinweg und schie\u00dft mit dem MG auf mich, aber ich glaube, er wollte mir nur Angst machen, denn sonst h\u00e4tte er mich getroffen. Eigenartigerweise war ich ganz ruhig.<\/p>\n<p>Die Lebensmittel wurden jetzt wirklich knapp. Mutti hatte vorher noch einen Sack mit geschrotetem Buchweizen gekauft. Das gab es dann morgens, mittags und abends. Mal mit Magermilch und dann mit Petersilie. Sogar Salz gab es nicht mehr, daf\u00fcr hatten wir so ein Kr\u00e4utersalz, das ziemlich gr\u00fcn aussah. 1945 \u2013 Ende April, Anfang Mai \u2013 sahen wir in der weiten Ferne einen roten Schein am Horizont und wussten, unser geliebtes Breslau brennt. Im Mai kapitulierte Breslau nach Berlin. Der Gauleiter hatte befohlen, sinnlos und verbrecherisch Breslau zu verteidigen, selbst unter Einsatz von Kindern. Ganze H\u00e4userviertel, besonders in den sogenannten besseren Vierteln, dazugeh\u00f6rte der S\u00fcden, wo wir wohnten, wurden von den eigenen Leuten verbrannt. Sie sollten nicht in die H\u00e4nde der Russen fallen. Fl\u00fcchtlinge aus Siebenb\u00fcrgen suchten Schutz bei unserem alten H\u00e4uslerehepaar. Da kam die Nachricht, die Russen lagern in Salzbrunn. Wir berieten uns, ob wir nicht sicherheitshalber in dem alten Fort, was einmal als Festung im 7j\u00e4hrigen Krieg 1742 gedient hatte, uns verstecken sollten, verschoben es aber auf den n\u00e4chsten Tag.<\/p>\n<p>Am Morgen h\u00f6rten wir Poltern, russische Laute und Schreien. Meine Mutter, meine Schwester und ich standen zitternd in unseren Nachthemden und flehten um Hilfe zum Vater im Himmel. Nach einer Weile wurde es ruhig. Wir zogen uns schnell an und gingen vorsichtig in die gro\u00dfe Bauernk\u00fcche. Die Russen hatten sich nach drau\u00dfen verzogen. Im Zimmer nebenan wimmerte die junge Frau aus Siebenb\u00fcrgen. Sie war vergewaltigt worden. Dann kamen die Russen wieder, wie wir sp\u00e4ter erfahren haben, hatten sie in der Nacht, als wir \u00fcberlegten, uns im Fort zu verstecken, schon dort \u00fcbernachtet. Nicht auszudenken, was passiert w\u00e4re. Sie holten nun die Bewohner aus den H\u00e4usern und trieben uns auf die gro\u00dfe Wiese. Dann lagerten sich einige mit ihren aufgestellten Maschinenpistolen um uns herum, w\u00e4hrend die anderen die H\u00e4user pl\u00fcnderten. Nach einiger Zeit sammelten sie sich und zogen ab. Nur ein mongolischer Soldat kam mit seinem Pferd, das er am Halfter f\u00fchrte, auf meine Schwester von 11 Jahren zu, zog seine Pistole und sagte drohend: \u201eKomm!\u201c Meine Schwester sah ihn an, unschuldig und fragend. Mutti h\u00f6rte ich immer wiederholend sagen: \u201eLieber Gott, hilf, lieber Gott, hilf\u2026\u201c Da pfiff der Offizier der Truppe ihn zur\u00fcck. Die gleiche Truppe hatte einen jungen Ukrainer, der mit seinem Vater zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden war, erschossen, als dieser Junge ihm freudig entgegen rannte. Wir wurden oft auf wunderbare Weise von unserem Vater im Himmel besch\u00fctzt. Nach den durchziehenden Truppen wurde es ruhiger.<\/p>\n<p>Zur Besatzung dieses Dorfes wurden in gewissen Abst\u00e4nden zwei russische Soldaten abkommandiert. Den einen Morgen, wir sa\u00dfen gerade bei unserem Buchweizengr\u00fctzebrei, als es an der T\u00fcr laut klopfte. Die T\u00fcr wurde ge\u00f6ffnet und zwei junge Rotarmisten standen in der T\u00fcr, \u00fcber die Schulter die Maschinenpistolen geh\u00e4ngt. Sie kn\u00f6pften ihre Kittel auf und zeigten ihre saubere Unterw\u00e4sche und machten einen freundlichen Eindruck. Die H\u00e4uslerin holte aus dem Versteck Brot und Eier, dazu etwas zu trinken und bat sie zu Tisch. Die beiden sahen zu uns und unserem k\u00e4rglichen Mahl, nahmen ihre Speisen, gaben sie uns und a\u00dfen daf\u00fcr unseren Brei. Dann setzten sie sich zu uns und stellten sich vor. Der Blonde kam aus der Ukraine und hie\u00df Wassiliew Delida. Der andere sah aus wie ein Italiener und kam von der Krim. Sein Name war Leonhard Marus, Lonja genannt. Mutti hatte Vatis Bild in seiner Gala-Uniform auf dem Sims stehen, worauf Lonja hinzeigte. Mutti sagte: \u201eStalingrad\u201c. Die beiden sahen Mutti ganz lieb und voller Mitleid an, deuteten auf Vati und meinten wohl, wegen seiner Uniform er w\u00e4re ein h\u00f6herer Offizier, dabei war er nur ein Unteroffizier, und sie versuchten, sie zu tr\u00f6sten, aber sie konnten nicht ein Wort Deutsch. Wassiliew und Lonja zeichneten uns die Lage in Stalingrad auf ein St\u00fcck Papier auf. Stalingrad war von zwei Ringen eingeschlossen. \u201eNjemski-Russko \u2013 Njemski-Russki\u201c. Als sie sich verabschiedeten, bat der H\u00e4usler ihnen Schnaps an, worauf Wassiliew emp\u00f6rt rief: \u201eNix, nix, Magda\u201c, und dabei schlug er sich links und rechts ins Gesicht und deutete damit an, seine Mutter w\u00fcrde ihn daf\u00fcr ohrfeigen.<\/p>\n<p>Wenn wieder einmal Truppen durchzogen, standen sie sch\u00fctzend vor unserem Haus. Es waren Engel. Witzig war, sie waren bei einer Witwe mit zwei Kindern untergebracht, deren Haus dicht am Waldrand gelegen war und in dem Haus hielten sich ein deutscher Offizier mit seinem Adjutanten versteckt, mit dem Wissen der beiden Russen. Das hatte eine besondere Bewandtnis. Das deutsche Milit\u00e4r hatte zuvor Bunker in der Erde angelegt mit Lebensmittelvorr\u00e4ten. Keiner aus dem Dorf fand heraus, wo sie sich befanden. Nur Mutti glaubte, einmal einen Bunker gefunden zu haben. Sie entdeckte im Wald beim Pilzesuchen zusammen mit Christel und mir, eine Anh\u00e4ufung von Steinen. Wir begannen, den Steinhaufen abzutragen und Mutti kam auf die Idee, sich von dem H\u00e4usler eine Schaufel auszuleihen, vielleicht w\u00fcrde er ihr beim Ausgraben der vermuteten Sch\u00e4tze helfen. Als sie ihm davon berichtete, fing er laut an zu lachen. \u201eFrau Glaubitz, das sind die Grenzsteine vom Revier!\u201c Die beiden Deutschen wussten aber, wo sich die Bunker befanden und machten gemeinsame Sache mit den beiden Russen und versorgten nebenbei die junge Kriegerwitwe und ihre beiden Kinder. Als Lonja und Wassiliew abkommandiert wurden, haben sie und wir zusammen geweint.<\/p>\n<p>Schlesien wurde den Polen zugesprochen, aber die Russen blieben als Besatzung, was oft zu Schie\u00dfereien zwischen den beiden f\u00fchrte, denn die Polen mochten die Russen nicht, was man auch verstehen konnte, denn sie hatten sie aus einem Teil aus Polen vertrieben und ihnen Schlesien zugeteilt. Bevor die Polen kamen, hatte Mutti vom B\u00fcrgermeister in Sp\u00e4tenwalde, einem Nachbarort, etwas mehr zum Tal im Glatzer Gebirge hin, ein kleines H\u00e4uschen erworben, wo wir zusammen mit meinen Gro\u00dfeltern lebten. Im Juli 1945 machte sich Tante Elli, Muttis \u00e4ltere Schwester, auf den Weg. Sie war dreimal unter Tr\u00fcmmern versch\u00fcttet worden, hatte ein M\u00e4dchen, das im Fenster eines brennenden Hauses stand und um Hilfe schrie, gerettet. Keiner der Soldaten wagte sich ins Feuer. Tante Elli zog ihren Mantel aus, tauchte ihn ins Wasser, st\u00fclpte ihn sich \u00fcber, rannte in das brennende Haus, holte das M\u00e4dchen und bewahrte sie unter Einsatz ihres eigenen Lebens vor dem sicheren Feuertod. Unser H\u00e4userviertel war ausgebrannt, Breslau zu 80% zerst\u00f6rt. Aus den Wasserh\u00e4hnen kam kein Wasser, es gab keinen Strom, keine Gesch\u00e4fte, angekohlte Leichen lagen in Ruinen und G\u00e4rten. Die Stra\u00dfen waren gespickt von Granaten. Schutt und Splitter von Bomben und Granaten verstopften die Wege. Massengr\u00e4ber waren eilig aufgesch\u00fcttet worden und verseuchten die Brunnen. Typhus und Ruhr brachen aus und keine medizinische Versorgung war m\u00f6glich. Die Menschen starben wie die Fliegen. Sie wurden in Decken gewickelt und mit einem 2-r\u00e4drigen Plattenwagen zu dem ausgehobenen Massengrab gekarrt und einfach reingekippt.<\/p>\n<p>Aus diesem Elend machte sich unsere hungrig Tante Elli auf den Weg. Sie ging zu Fu\u00df bis Kamenz, denn bis dahin waren die Schienenwege der Bahn zerst\u00f6rt. In Strehlen setzte sie sich in den Zug und stieg in Habelschwerdt aus, um noch mal ca. 10 Kilometer zu laufen. Total ersch\u00f6pft kam sie bei uns an, um uns mitzuteilen, dass unsere H\u00e4user zerst\u00f6rt sind und wir kein Zuhause mehr haben. Die einzige M\u00f6glichkeit eine Unterkunft zu bekommen, sei in eine unbewohnte, aufgebrochene Wohnung einzuziehen. So entschlossen wir uns, mit Tante Elli ins Ungewisse zu gehen. Unser Gep\u00e4ck legten wir in einen alten Kinderwagen und als Verpflegung zwei Spank\u00f6rbe mit Blaubeeren. So fuhren wir, Tante Elli, Mutti, Christel und ich \u2013 die Gro\u00dfeltern lie\u00dfen wir erstmals zur\u00fcck \u2013 von -, von Habelschwerdt nach Kamenz. Von da ging es zu Fu\u00df Richtung Breslau. Auf den Stra\u00dfen Blutlachen, zerschossene Panzer. Aus den Fenstern der Bauernh\u00e4user hingen gelbe F\u00e4hnchen. Das bedeutete Typhus. Man wusste nicht, ob wirklich Typhus ausgebrochen war, aber es war eine sichere Abschreckung gegen die Russen. Nach 30 Kilometer Fu\u00dfmarsch kamen wir total ersch\u00f6pft in Strehlen an. Eine russische Lastenwagenkolonne parkte auf dem Marktplatz. Tante Elli versuchte h\u00e4nderingend, Mutti davon abzuhalten, einen Fahrer des offenen Lasters zu fragen, ob er uns mit nach Breslau, jetzt Wroclaw, nehmen k\u00f6nnte. Das Gespr\u00e4ch verlief folgenderma\u00dfen: \u201eDu Wroclaw?\u201c \u201eTak, tak (ja)\u201c. \u201eDu uns mitnehmen nach Wroclaw?\u201c \u201eTak, tak\u201c. Tante Elli wimmerte nur noch. Die Besatzung des Autos bestand aus dem Fahrer, einem Beifahrer und zwei Soldaten, die auf dem Boden des offenen Lastwagens Platz genommen hatten. Sie halfen uns h\u00f6flich auf das Auto mitsamt unserem alten Kinderwagen. Die beiden Soldaten, die hinter dem F\u00fchrerh\u00e4uschen hockten, grinsten uns freundlich an. Mutti f\u00fchlte sich in ihrer Menschenkenntnis best\u00e4tigt und Tante Elli hatte sich beruhigt. W\u00e4hrend der Fahrt hatte Mutti mit den Soldaten deren Kommissbrot und Speck gegen unsere Blaubeeren getauscht. Von Strehlen bis Breslau waren es ca. 60 Kilometer. So fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein durch die zerst\u00f6rte \u201eStra\u00dfe der SA\u201c, ehemals \u201eKaiser-Wilhelm-Stra\u00dfe\u201c. Tante Elli sagte zu Mutti: \u201eGretel, hier m\u00fcssen wir aussteigen.\u201c Mutti klopfte an das F\u00fchrerh\u00e4uschen: \u201eStoi!\u201c Der Fahrer und der Beifahrer drehen sich zu ihr um und grinsen. Die beiden Soldaten grinsen. Mutti klopft energischer: \u201eStoi! Stoi!\u201c Alle vier grinsen. Tante Elli f\u00e4ngt an zu weinen: \u201eIch hab es gewusst, sie verschleppen uns nach Sibirien!\u201c Mutti, jetzt wie ein aufgescheuchtes Huhn, rennt zum Ende des Wagens und winkt und schreit den nachfolgenden Wagen zu: \u201eStoi! Stoi!\u201c Und wieder zum F\u00fchrerh\u00e4uschen: \u201eStoi! Stoi!\u201c<\/p>\n<p>Endlich h\u00e4lt der Wagen und hinter ihm die ganze Kolonne. Extra wegen uns! Alle grinsen und der Fahrer half uns h\u00f6flich samt unserem alten Kinderwagen verschmitzt l\u00e4chelnd von dem hohen Wagen herunter. Uns fiel ein Stein vom Herzen. Sp\u00e4ter haben wir noch \u00f6fter dar\u00fcber gelacht und die sicher auch. So kamen wir durch das Villenviertel, das auch zum Teil schwer besch\u00e4digt war. Auf den Stra\u00dfen standen M\u00f6bel, lagen aus dem Rahmen gerissene \u00d6lgem\u00e4lde, B\u00fccher und ein Fl\u00fcgel, den sich Mutti unbedingt holen wollte. Tante Elli winkte m\u00fcde: \u201eWas willst du damit?\u201c Endlich kamen wir auf der Lenaustra\u00dfe an. Auf der ganzen Stra\u00dfe stand nur noch ein Doppelhaus mit je vier Wohnungen. Die anderen H\u00e4user waren alle ausgebrannt. Nur die Fassaden standen da. Am Anfang der Stra\u00dfe lag ein toter Schimmel und am Ende eine ausgebrannte Kutsche mit zwei toten Pferden. Wir bezogen im 1. Stock eine 3\u00bd Zimmer-Wohnung. Tante Frieda mit Cousine Uschi hatte die Nachbarwohnung schon bezogen und Tante Elli wohnte in der 1. Etage.<\/p>\n<p>Wir begannen erstmal, den Schutt aus dem Zimmer, das an das Nachbarhaus grenzte, fortzur\u00e4umen. In die Wand hatte eine Fl\u00fcgelgranate, die noch in der Mauer steckte, wohl ein Blindg\u00e4nger, ein mannshohes Loch gerissen, in dem ein Junge aus dem Nachbarhaus sa\u00df und uns bei der Arbeit zusah. Die gegen\u00fcberliegende Wand war zur H\u00e4lfte eingest\u00fcrzt. Wir st\u00fctzten sie mit zwei B\u00fccherschr\u00e4nken. Einen hatte Mutti besorgt. Das zerbrochene Fensterglas wurde durch \u00d6lgem\u00e4lde ersetzt. Das Wasser holten wir aus dem Brunnen im Garten. Daneben befand sich ein Massengrab. Tante Elli hatte sich w\u00e4hrend der Festungszeit aus einem brennenden Depot mit Mehl und \u00d6l eingedeckt. Das Mehl roch verbrannt. Tante Elli teilte es mit uns, aber auch das ging zur Neige.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von den Russen wurden wir zum Tr\u00fcmmerbeseitigen gezwungen. Einmal musste ich mit einem M\u00e4dchen auf dem Freiburger Bahnhof kaputte Schienen wegtragen. Au\u00dferdem hatten wir Angst vor den russischen Soldaten, die uns bewachten. So dachten wir uns einen Plan aus, um uns in Sicherheit zu bringen. Weglaufen konnten wir nicht. So t\u00e4uschte das M\u00e4dchen starke Bauchschmerzen vor. Ich ging zu dem Russen und zeigte auf sie. Er erlaubte uns zu gehen. Wir nahmen den Weg quer durch die Schreberg\u00e4rten, nicht ahnend, dass sie vermint waren. Der Hunger wurde unertr\u00e4glich. Ich war nicht mehr in der Lage zu stehen. Aus meinem Hintern lief das Blut. Ich sp\u00fcrte keinen Hunger mehr und lag apathisch im Bett. Es war Sommer, das Fenster weit ge\u00f6ffnet. Da flog ein Spatz in das Zimmer. Mutti schloss schnell das Fenster, fing den Vogel, zog mit einem Ruck an seinem K\u00f6pfchen, so dass er sofort tot war, rupfte die Federn aus, nahm den Magen aus, der noch einen Regenwurm enthielt und kochte eine Br\u00fche. Es war ein Wunder. Ich wurde gesund und kam zu Kr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Christel plagte die Sehnsucht nach unserem verbrannten Zuhause. Der Mond schien durch die Fenster der Fassade des ausgebrannten Hauses von der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite und Christel hockte zusammengesunken und weinte bitterlich: \u201eMutti, ich will nach Hause!\u201c Nach und nach kamen polnisches Milit\u00e4r und polnische Familien mit Sack und Pack, deren Heimat von den Russen annektiert worden war. Viele kamen aus Lemberg. Um Platz oder ein Zuhause f\u00fcr sie zu schaffen, wurden die Deutschen aus ihrer Wohnung vertrieben. Wir hatten noch Gl\u00fcck, weil wir zwischen Tr\u00fcmmern lebten. Wir waren st\u00e4ndig auf der Suche nach etwas Essbarem. So zogen wir, Tante Elli, meine Cousine Uschi, Mutti, Christel und ich, jeder einen Rucksack auf dem R\u00fccken, durch die Keller der verbrannten H\u00e4user, die durch einen Durchbruch miteinander verbunden waren, um notfalls von einem Haus, das brannte, in das N\u00e4chste zu gelangen.<\/p>\n<p>Wir waren schon ganz mutlos. Ratten liefen durch die G\u00e4nge. Eine junge Katze lag ausgestreckt in einer Ecke. Drei winzige K\u00e4tzchen s\u00e4ugten vergeblich an ihrem Bauch. Sie hatte keine Zitzen. Christel rutschte auf einem verwesten Kinderk\u00f6pfchen aus. Es war grausam. Pl\u00f6tzlich standen wir vor einem Holzverschlag. Tante Elli meinte: \u201eMutti, das glaube ich nicht, das w\u00fcrde stinken.\u201c Nahm einen Stock und brach den Verschlag auf. Ein Paradies tat sich vor uns auf. In den Regalen standen eingekochtes Gem\u00fcse, Zucker, Mehl und eingekochte Butter. Wir stopften unsere Rucks\u00e4cke voll. Als ich als Erste die Kellertreppe hochging, bemerkte ich an dem angrenzenden Haus, das noch unzerst\u00f6rt war, die polnische Flagge der Miliz. Die Miliz selbst war so betrunken, sie johlten und spielten auf der Ziehharmonika und hatten uns und den Einbruch nicht bemerkt. Ich rannte schnell wieder zur\u00fcck, berichtete davon und r\u00fcckw\u00e4rts im Eiltempo und mit Herzklopfen bis zum Hals, uns immer wieder zur\u00fcckschauend, ob wir nicht verfolgt wurden, kamen wir endlich sicher in unserem vorl\u00e4ufigen Zuhause an. Wir hatten die polnische Miliz bestohlen, hatten \u00fcberhaupt kein schlechtes Gewissen, sondern sahen es als Segen von unserem Vater im Himmel an. Mit den Polen kam auch der Schwarzmarkt. Es wurde alles verkauft, was nicht niet- und nagelfest war. In der Zwischenzeit hatten wir Oma und Opa zu uns geholt. Mutti hatte noch in dem H\u00e4uschen im Gebirge auf dem Spitzboden unser Mei\u00dfner-Porzellan und den gro\u00dfen wertvollen Teppich und einige Dinge, die wir als wir aus Breslau rausgingen, mitgenommen hatten, versteckt. Und damit niemand sie finden konnte, hatte Opa eine Bretterwand davor gebaut, so dass man annehmen musste, das ist das Ende des Spitzbodens. Ich w\u00fcsste zu gern, ob es gefunden wurde. Tante Elli, Opa und ich hatten uns auf gusseiserne Badewannen spezialisiert. Opa hatte einen zweir\u00e4drigen Planwagen, mit dem sonst die Toten transportiert wurden, organisiert. Es wurde \u00fcberhaupt fast alles organisiert. Also wir montierten in zerschossenen und halb zerfallenen H\u00e4usern die Badewannen ab. Das war oft sehr gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Einmal, in einem 4st\u00f6ckigen Eckhaus in der Herder\/Ecke Yorgstra\u00dfe, das bis auf eine Wohnung im 1. Stock ausgebrannt war, wagten wir uns im Treppenhaus auf die Stufen, deren Holztritte verbrannt waren und nur das Blechger\u00fcst betretbar war. Es war merkw\u00fcrdig, die Wohnung war nicht besch\u00e4digt. Sogar in dem einen Zimmer hingen noch die Gardinen. Der Abtransport der Badewanne war unverantwortlich und Tante Elli schimpfte mit Opa. Aber f\u00fcr eine Badewanne bekamen wir 100 Zloty und f\u00fcr 100 Zloty 10 Br\u00f6tchen. Mutti und Christel hatten sich auf Lichtschalter spezialisiert. F\u00fcr Unterputz-Schalter gab es 10 Zloty und f\u00fcr \u00dcberputz-Schalter 5 Zloty. Wir ern\u00e4hrten uns haupts\u00e4chlich von ged\u00f6rrten Kartoffelschnitzeln, die wir im Wasser d\u00e4mpften und etwas \u00d6l zugaben. Nebenbei musste ich aber immer noch Schutt wegr\u00e4umen. Eines Tages, als ich von der Arbeit nach Hause kam, brutzelte auf dem Herd eine Ente. Mutti hatte meinen guten Wintermantel f\u00fcr die Ente eingetauscht. Ich war sehr w\u00fctend und traurig, hab aber nichts gesagt. Man h\u00e4tte mich ja wenigstens fragen k\u00f6nnen. Ich hungerte nach Zitronen. Der Mangel an Obst machte sich bemerkbar. Da fanden Tante Elli und Mutti versteckt unter Kohlen eine Kiste mit Zitronensirup! Mein Vater im Himmel hat mich lieb!<\/p>\n<p>An einem Morgen, Christa und ich lagen noch in unseren Betten, stand ein polnischer Offizier mit 2 Soldaten in unserer Wohnung, zeigte auf seine Uhr und sagte zu Mutti: \u201eF\u00fcnf Minuten, dann du raus aus der Wohnung!\u201c Wir zogen uns hastig an und packten, was wir in Eile fassen konnten, in die Koffer. Mutti, wof\u00fcr ich ihre Umsicht bewundere, die Dokumente, die auch sp\u00e4ter wichtig f\u00fcr unsere Genealogie waren und unsere Federbetten. Unser ganzes Haus wurde von polnischen Soldaten ger\u00e4umt und f\u00fcr sich beschlagnahmt. Tante Elli war schon unterwegs und hatte nichts als nur das, was sie anhatte. Meine Gro\u00dfeltern waren geschockt, hatten aber wie wir einiges gerettet. Wir bekamen wenigstens zusammen eine andere Wohnung zugewiesen, aber nur f\u00fcr kurze Zeit, denn dann wurden wir aus unserer Heimat ausgewiesen. Wir hatten bis zuletzt gehofft, dass die Amerikaner uns befreien w\u00fcrden. Vergeblich.<\/p>\n<p>Eine lange Kolonne von Vertriebenen sammelte sich auf dem Freiburger Bahnhof, wo wir in einem G\u00fcterzug geladen wurden und ab ging es nach Westen. Unterwegs versuchten junge polnische M\u00e4nner auf den Zug aufzuspringen, um mit in den Westen zu gelangen. Einmal stoppte der Zug und Angst kam in uns hoch. Es ging das Ger\u00fccht um, dass Z\u00fcge Richtung Osten, Russland, umgeleitet wurden, aber dann h\u00f6rten wir englische Stimmen. Wir waren an der Grenze und von Engl\u00e4ndern \u00fcbernommen worden. In Marienborn war das Auffanglager. Wir wurden erstmal mit einem wei\u00dfen Desinfektionspuder eingest\u00e4ubt. Die glaubten wohl, wir h\u00e4tten Fl\u00f6he und L\u00e4use. Danach wurden wir registriert und unserem Bestimmungsort zugewiesen. Tante Frieda und Cousine Uschi nach Hechthausen, in der N\u00e4he von Stade, wo auch meine Tante, die Schwester von Vati und seine Eltern verschoben wurden. Oma, Opa, Tante Elli und wir bekamen Stadthagen zugewiesen.<\/p>\n<p>Mutti hatte versucht zu erreichen, dass wir mit nach Hechthausen fahren k\u00f6nnten. Der zust\u00e4ndige Beamte gab Mutti einen weisen Rat: \u201eGehen sie dorthin, wohin das Schicksal sie bestimmt hat.\u201c (Oder unser Vater im Himmel?). Wir stiegen zwar in Stadthagen aus, wurden aber wieder diesmal auf offene Lastwagen verladen und neun Kilometer entfernt in ein Dorf Niedernw\u00f6hren gebracht. Zum Gl\u00fcck kamen wir bei zwei Kriegerwitwen unter, die uns freundlich aufnahmen. Ansonsten begegnete uns mehr Feinseligkeit. Das Erste, was Mutti tat, als wir uns auf den Weg nach Stadthagen machten, sie fragte den ersten Polizisten, der uns in Stadthagen begegnete: \u201eWo haben die Mormonen ihre Kirche?\u201c Dieser kannte nun eine Frau, die bei einer Mormonenfamilie wohnte und im Hotel als Bedienung arbeitete. Wir fanden auch die Frau und sie gab uns die Adresse von Geschwister Hegemeister. Bruder Hegemeister war der Gemeindepr\u00e4sident der kleinen Gemeinde. Von nun an besuchten wir jeden Sonntag bei Wind und Wetter, ob Regen, Schnee oder Hitze, die Gemeinde in Stadthagen, und das zu Fu\u00df. Wobei man bedenken musste, dass die Versammlungen noch am Morgen und am Nachmittag stattfanden. Wenn Christel und ich manchmal keine Lust hatten, den weiten Weg zu laufen, war Muttis strenge Anordnung: \u201eIhr geht mit!\u201c Wir waren gehorsam \u2013 von wegen Kinder haben ihre eigene Entscheidung. Und wenn wir am Abend nach Hause trotteten, sagte Mutti: \u201eWar es nicht wieder sch\u00f6n?\u201c Und wir antworteten gl\u00fccklich: \u201eJa! Danke, Vater im Himmel!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Breslau, Schlesien Mein Name ist Sonja Bellersen, geborene Glaubitz. Ich bin am 9. Juni 1930 in Breslau, Schlesien, geboren worden. Mein Vater hei\u00dft Bruno Glaubitz, meine Mutter Margarete Janitschke. Mein Vater war kein Mitglied. 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